Das Landgericht Dessau hat am Mittwoch einen 78-jährigen Dessauer wegen Ladendiebstahls zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der bislang strafrechtlich unauffällige und gehbehinderte Rentner im Edeka-Center in Dessau-West drei Rasierklingen für sechs Euro hatte mitgehen lassen.

Der Rentner hat die Tat bestritten und erklärt, die Rasierklingen mitgebracht zu haben, um sie mit den angebotenen zu vergleichen und künftig Fehlkäufe zu vermeiden. Er habe tatsächlich Klingen aus dem Warenträger genommen, diese dann aber wieder hingehängt. Und als er den Laden verlassen wollte, sei er vom Detektiv gestoppt worden.

Die 6. Strafkammer des Landgerichts hielt die Einlassung für Unsinn. Ein Video belege klar den Diebstahl. Das Urteil umfasst 25 Tagessätze à 40 Euro. Die Tagessätze richten sich nach dem Einkommen. Das Dessauer Gericht bezog bei seiner Berechnung neben den 1.000 Euro Rente auch die 300 Euro Pflegegeld ein.

Der Fall gehört zu jenen, bei denen man sich fragen kann, warum sich die notorische Überlastung beklagende Justiz sich überhaupt damit beschäftigt. Juristisch gesehen handelt es sich bei der Tat um einen einfachen Diebstahl, dazu um einen von geringwertigen Sachen. Verfolgt wird der zumeist nur, wenn es der Geschädigte überhaupt wünscht.

Dennoch kennt das Gesetz Möglichkeiten, Verfahren einzustellen. Bei jungen Leuten wird davon oft genug Gebrauch gemacht, selbst wenn es um Körperverletzung geht, mit der vagen Hoffnung, es möge sich um Ausrutscher handeln. Dem bislang unbescholtenen 78-Jährigen wurde diese Großzügigkeit nicht zugebilligt. Warum, blieb unklar.

Eine Absolution oder einen Strafnachlass wegen des Alters darf er nicht erwarten und das hat Folgen:
Der 78-Jährige erklärte im Gerichtssaal, das Geld nicht zahlen zu können und wohl ins Gefängnis zu müssen. „Mit meiner Frau, denn die ist meine Pflegerin.“ Die Frau ist 81 Jahre alt.