Der vom Präsidentenpalast geförderte Wettlauf zur „Bewaffnung gegen einen möglichen neuen Putsch“ hat in den sozialen Netzwerken ein wahnwitziges Echo hervorgerufen. Hunderttausende junge AKP-Anhänger unterstützten die Kampagne #AKBewaffnung (#AkSilahlanma) auf Twitter.

Eine Erklärung des Innenministers heizte die Stimmung noch an: „Wir werden jedem einen Waffenschein geben“, sagte er.

Was aber ist dann der Grund für die massenhafte Bewaffnung? Gegen wen sollen die Waffen gerichtet werden?

Vor einigen Tagen gab Ministerpräsident Yildirim folgenden Kommentar ab: „Die Tür zum Präsidialsystem wurde am 15. Juli aufgestoßen. Die Feinde des Präsidialsystem müssen bekämpft werden“.

Auch riet er den in Europa lebenden Türken sich zu bewaffnen und die Feinde des Präsidialsystem notfalls zu erschiessen.

Wer glaubt, die schon vor der Aufrüstung besorgten Waffen hätten einzig zur persönlichen Sicherheit gedient, der täuscht sich. Staatlich lizenzierte Waffen spielten vielmehr auch bei Ehrenmorden, beim Eintreiben strittiger Forderungen und bei Raubüberfällen eine Rolle.

Es war Şeref Malkoç, einer von Erdogans Dutzenden Beratern, der die Lunte entzündete. Er sagte im staatlichen Fernsehen: „Noch wird verhindert, dass Bürger sich Waffen auf Lizenz besorgen. Damit das Volk aber sein legitimes Recht auf Selbstverteidigung ausüben kann, sollte die Erteilung von Waffenscheinen erleichtert werden.“

In einer Fernsehsendung verkündete Melih Gökçek nun die frohe Botschaft, im Land habe eine enorme Aufrüstung eingesetzt. „Leute kaufen Pumpguns und legen sie sich zu Hause hin.“

Angeregt durch Malkoçs Äußerung im Fernsehen, setzte der Rüstungswettlauf ein und nahm nach Gökçeks Worten weiter an Fahrt auf. Insbesondere die Bewohner der türkischen Schwarzmeerregion sind in Waffen vernarrt. Die Menschen dort sind bekannt für ihr hitziges Temperament und stehen laut dem Gouverneur von Rize, der Provinz, aus der Erdogans Familie stammt, ganz vorn bei der Aufrüstung.

Wer weiß was da auf Europa noch zu kommt.