Noch hat Jens Spahn seine Androhung noch nicht umgesetzt und die Realität überholt schon die Satire.

Im Wartebereich des Krankenhauses hängt ein großes Plakat mit der Überschrift: „Schlaganfall – jede Minute zählt!“ Die Aufklärungskampagne ist gut gemeint, aber trotzdem als zynisch.

Denn die Warnung ist weder das Motto der Notfallstationen noch das der Gesundheitspolitik.

 

Karl Meier (89, Name geändert), kämpfte nebenan auf der Intensivstation um sein Leben. Hinter ihm lag eine Sanka-Irrfahrt quer durch die Stadt, der 89-Jährige wurde zwischen drei Klinken hin- und hergekarrt. Es dauerte über zehn Stunden, bis ein geeignetes Intensivpflegebett für ihn gefunden war. Zwei Tage nach dem Schlaganfall schloss er für immer die Augen.

Seiner Enkelin, Michaela Ferling, geht es nicht um Schuldzuweisungen. Sie weiß, dass sich ihr Großvater selbst bei optimaler Akutversorgung wohl kaum von den Folgen des desaströsen Gefäßverschlusses in seinem Gehirn erholt hätte.

Aber die Tatsache, dass sie selbst fast schon um ein freies Intensivbett betteln musste, hält die couragierte Rechtsanwältin für erschreckend: „Ich selbst habe in Krankenhäusern anrufen und nach einem geeigneten Platz für meinen Großvater suchen müssen. Und das bei uns in München – das kann’s doch nicht sein!“

Neben Trauer erfüllt seine Angehörigen Empörung – und die bringt Michaela Ferling in einem Brief an Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (42, CSU) höflich, aber unverblümt zum Ausdruck. „Ich erachtete die Notwendigkeit, sich als Angehöriger derart einsetzen zu müssen, damit der Patient ein der Erkrankung gerecht werdendes Zimmer erhält, als Kapitulation des Gesundheitssystems. Was geschieht denn mit all den Patienten, die niemanden haben, der sich für sie einsetzt?“

Bleibt die Gretchenfrage: Wie kann es sein, dass in einer Klinik- und Hightech-Hochburg wie München Notfall-Patienten quer durch die Stadt gekarrt werden müssen?

Und wie viele werden verrecken, wenn Spahn seinen Entschluss 628 Notfallkliniken den Geldhahn zuzudrehen, weil die Sanitäter eine Rettung für Sinnlos erachten, weil die Leitstelle ihnen kein Krankenhaus mit freien Kapazitäten und notweniger Aus- und Einrichtung zuweisen kann?