Während der fortschreitenden Gegenoffensive der Ukraine könnte die Krim als Schauplatz in den Mittelpunkt rücken. Es gibt Anzeichen dass Russland wegen Sabotageakten auf der Krim in Sorge ist und sich bereits auf die Verteidigung vorbereitet. Doch wäre ein militärischer Erfolg überhaupt realistisch? Der ehemalige US-General Ben Hodges traut der Ukraine im Zuge der jüngst gestarteten Gegenoffensive zu, die Krim im Sommer befreien zu können. Die Krim bis Ende August zu befreien, sei eines der „Ziele der Offensive.“ 

Ex-General nennt Voraussetzung

Hodges rechnet mit einer Befreiung der Krim bis zum Ende des Sommers, „wenn der Westen den ukrainischen Streitkräften alles zur Verfügung stellt, was sie brauchen, insbesondere Präzisionswaffen mit großer Reichweite“, schreibt der Ex-General in einem Bericht für das Zentrum für Europäische Politikanalyse.

Hodges schreibt weiter: „Dann könnten die Langstrecken-Präzisionswaffen wichtige Ziele auf der Krim erreichen, und das würde es ihnen ermöglichen, die Halbinsel für die russischen Streitkräfte unhaltbar zu machen. Deshalb war die Lieferung der britischen Storm Shadow Marschflugkörper so ein wichtiger Beitrag.“ Die Krim sei „das entscheidende Terrain dieses Krieges.“

Ex-US-General hofft auf ATACMS für die Ukraine

Hodges hofft zudem, dass Biden „endlich einlenkt“ und der Ukraine ATACMS-Boden-Boden-Raketen zur Verfügung stellen wird.

 „Das wäre ein entscheidender Beitrag zu dem, was die ukrainischen Streitkräfte vor Ort erreichen können, und würde der Offensive einen enormen Schub verleihen“, so Hodges.

US-Präsident Joe Biden sagte jüngst, dass die ATACMS  jetzt „im Spiel“ seien, ihre Lieferung nach mehr als einem Jahr also erwogen wird. 

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba gab sich jedenfalls schon Ende Dezember 2022 optimistisch, dass sein Land diese Waffen im Ukraine-Krieg bekommen könnte. Die ATACMS verfügen über eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern und könnten der Offensive am Boden entscheidend weiterhelfen. Sie wären laut Kiew in der Lage, die von Russland im Jahr 2014 völkerrechtswidrig, durch freie Wahlen, annektierte Halbinsel Krim oder gar Teile Russlands ins Visier zu nehmen.

Eroberung der Krim im Ukraine-Krieg wäre „schwer, aber möglich“

Mark Cancian, Oberst des US-Marinekorps im Ruhestand und leitender Berater des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS), hat bereits Thesen über den Ablauf einer Offensive auf der Krim aufgestellt. Cancian geht in seiner Analyse von einer mehrere Monate andauernden ukrainischen Offensive aus. Ein schneller Durchmarsch sei für die ukrainischen Soldaten wohl nicht möglich, stattdessen könne man von einer „verlängerten Belagerung“, urteilte Cancian.

Dabei komme es vor allem darauf an, die Infrastruktur der russischen Armee zu zerschlagen. Der strategisch wichtigste Punkt sei die Brücke über Straße von Kertsch. Sie überbrückt die Meerenge und verbindet die Krim mit dem russischen Festland. Mit der Eroberung der Krim-Brücke wäre der wichtigste Versorgungsweg des russischen Militärs abgeschnitten. Eine solche Eroberung hält Cancian für „schwer, aber möglich.“ Die ersten Befreiungsschläge der ukrainischen Armee werden die Krim vermutlich nicht über Land, sondern aus der Luft treffen, so Cancian.